
Disclaimer: Alles, was ich in diesem Post teile, basiert auf meiner bisherigen Erfahrung und Wahrnehmung. Es ist meine subjektive Meinung zu einem sehr individuell definierten Thema.
Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Blogpost von vor etwa drei Monaten. Damals habe ich darüber geschrieben, wie ich mich von meiner Kunst entfernt habe und den Wunsch geäusert, wieder einen neuen Zugang dazu zu finden. Es ging viel um Entwicklung, Selbstfindung und die Frage, wie ich wieder mehr Sicherheit in meinem kreativen Schaffen finden kann.
Ich habe mir damals vorgenommen, einen „Neustart" zu wagen. Weg vom Perfektionismus, hin zu mehr Experiment, mehr Gefühl und weniger Druck. Ich wollte wieder lernen, meiner eigenen Gestaltung zu vertrauen.
Jetzt, drei Monate später, merke ich, dass sich etwas verändert hat. Nicht in grossen, klar sichtbaren Schritten, sondern eher in kleinen Verschiebungen. In meinem Denken, meinem Arbeiten und im Umgang mit mir selbst.
Mein grösster Lernfaktor waren Gespräche. Mit Kunstschaffenden, mit intelligenten, kreativen, jungen und erfahrenen Menschen, und oft auch ganz Casual zum Beispiel in der 10ni Pause im Effinger.
Ich durfte kürzlich das erste Mal beim Kunstzmittag dabei sein, einem Treffen des Künstlerkollektivs vom Effinger. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat, um sich über aktuelle Projekte auszutauschen. Die Atmosphäre war offen, ich habe mich akzeptiert gefühlt. Das habe ich sehr geschätzt.
Auch beim Aktzeichnen war ich nach längerer Zeit wieder dabei. Dieses Mal mit weniger Erwartungen und weniger Druck. Ich habe mit Farben gespielt, mit Materialien experimentiert, einfach mit meinen Händen gearbeitet. Ich war deutlich gelöster als noch vor ein paar Monaten. Und ich merke immer mehr: Jedes Gespräch, jede Begegnung öffnet neue Perspektiven.
Eine zentrale Frage aus meinem letzten Post war: Was ist Kunst eigentlich? Ehrlich gesagt habe ich darauf immer noch keine klare Antwort. Aber ich habe mich ihr ein Stück angenähert.
Wir alle wissen, Kunst ist etwas unglaublich Individuelles und genauso ist auch das Verständnis davon. Was den einen bewegt, lässt den anderen kalt. Es gibt keine objektive Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst, und ich glaube, das ist auch gut so. Kunst darf provozieren. Sie ist immer auch eine Art Zeitaufnahme, sie zeigt, was Menschen beschäftigt, was eine Gesellschaft fühlt, denkt oder verdrängt.
Für mich bedeutet das im Moment: Alles kann Kunst sein, sobald man ihm Emotion und Bedeutung gibt. Sie darf auslösen, bewegen, fühlen lassen. Aber sie darf auch einfach Leere hinterlassen. Eine Künstler*in ist für mich jemand, der durch das Erschaffen verarbeitet und der eine Haltung hat.
Trotzdem ist da auch eine Angst gewachsen. Nicht die Angst zu scheitern im klassischen Sinn, sondern die Angst, vielleicht nie wirklich Zugang zu meinem künstlerischen Ich zu finden. Ich meine, es gibt Menschen die ein leben lang suchen, und nie finden.
Ich glaube, ich will es so sehr, dass genau das mich blockiert. Wenn ich erschaffen will, verkrampft sich etwas in mir. Eine unsichtbare Blockade, die ich nicht überwinden kann.
Kürzlich hat jemand zu mir gesagt: „Du bist sehr ehrlich zu dir selbst." Ich glaube, das stimmt. Aber gleichzeitig frage ich mich: Bin ich wirklich ehrlich, wenn ich es nicht schaffe, meine innersten Gedanken in etwas Sichtbares zu übersetzen? Oder spiele ich mir selbst etwas vor?
Ich habe mich schon immer über meine Kreativität definiert. Sie ist ein grosser Teil meiner Identität. Aber wer bin ich, wenn ich nicht einmal Zugang zu mir selbst finde?
Mein Fazit im Moment: Es gibt für mich gar kein „Zurück", weil ich eigentlich noch nie wirklich dort war. Alles, was bisher passiert ist, war Teil des Prozesses.
Und mit diesem Gedanken habe ich Frieden gefunden. Ich freue mich auf das, was noch kommt und auf alle, die mich auf diesem Weg begleiten.
Und ja, vielleicht widerspreche ich mir. Irgendwo zwischen der Angst zu versagen und dem Frieden, mitten im Prozess zu sein.
Aber vielleicht gehört genau das zusammen?
